Female Leadership ist ein großer wirtschaftlicher Gewinn

Was bedeutet „Female Leadership“ und was sind die Vorteile? Diesen Fragen ist Cornelia Lohninger-Mack von Lohninger & Wunder auf den Grund gegangen. Im Folgenden gibt es einen tieferen Einblick in das Thema weibliche Führungskompetenzen.

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Female Leadership ist die Gesamtheit der Führungsqualitäten und der Kompetenzen, die einen weiblichen Führungsstil prägen. Als häufige Female Leadership-Skills gelten folgende Kompetenzen:

  • Ganzheitliches Weltbild
  • Vernetztes Denken
  • Offene Kommunikation mit Menschen
  • unterschiedlicher Herkunft
  • Wesentliche Merkmale wie ausgeprägten Gerechtigkeitssinn
  • Kreativität
  • Teamfähigkeit
  • Bewusstsein zur Selbstreflexion und Lernbereitschaft

Diese Führungs-Skills finden sich auch in internationalen Studien wieder, wie zum Beispiel in einer Studie der Norwegian Business School, die sich mit dem Thema „Personality of Leadership“ damit beschäftigt hat, welche Fähigkeiten zukünftig für die Führung von Organisationen eine hohe Relevanz haben werden. Der deutsche Wirtschaftsjournalist und Schriftsteller Günter Ogger stellt in seinem Fachbuch „Nieten in Nadelstreifen“ bereits 1992 die Vorteile eines neuen, weiblichen Führungsstils fest und betont, dass viele Frauen genau die Qualitäten mitbringen, die heute und in den kommenden Jahren in den Entscheidungszentren der Wirtschaft gebraucht werden.

Weiblicher vs. männlicher Führungsstil

Der Psychologe Werner Dopfer beschreibt, dass Stereotype u. a. auch psychologische Hintergründe haben und sehr viel mächtiger sind, als es die modernen Menschen wahrhaben wollen. Dopfers Ansicht nach entspricht der Führungsstil von Frauen viel mehr den Anforderungen moderner Unternehmen. Frauen sind kooperativer und kompromissbereiter, gleichzeitig weniger risikoaffin.

Und sie besitzen genau die Führungskompetenzen, die heute unerlässlich sind:

  • die Fähigkeit zur Kooperation,
  • die Fähigkeit zur Kommunikation und
  • die Fähigkeit zur Empathie

Männer sind tendenziell stärker auf Konkurrenzkämpfe und Sieg ausgerichtet, dieses Verhalten vermindert die Kompromissbereitschaft und führt so eher zu Krisensituationen. Dopfer beschreibt außerdem das „Mama Trauma“, mit dem viele Männer zu kämpfen haben: Männer nehmen bei weiblichen Führungskräften oft die eigene Mutter unbewusst wahr und bringen das Führungsverhalten mit dem erzieherischen Reglement der eigenen Kindheit in Verbindung. Als erwachsene Männer wollen sie sich eine Bevormundung nicht bieten lassen und fühlen sich dadurch eingeschränkt. Dadurch fällt es schwer, weibliche Vorgesetzte zu akzeptieren.

Durch heterogene Teams, in denen der Anteil von Frauen und Männern ausgewogen ist – und das auf allen Unternehmensebenen, ergibt sich eine Vielfalt an Kompetenzen. Im Sinne des Unternehmenserfolgs gilt es, diese Fähigkeiten in gleichem Maße zu nutzen.

Studien belegen die Wichtigkeit von Female Leadership

Aus den letzten statistischen Auswertungen des Eurobarometer – in dem die Europäische Kommission regelmäßig öffentliche Meinungsumfragen aus allen Mitgliedsstaaten der EU veröffentlicht – lassen sich folgende Erkenntnis zum Thema ablesen: Die große Mehrheit (88 %) der Europäer stimmen der Aussage zu, dass „Frauen mit denselben Fähigkeiten in gleichem Verhältnis in Führungspositionen vertreten sein sollten“: 55 % stimmten dieser Aussage vollends zu, 33 % stimmten eher zu. Nur eine kleine Minderheit (9 %) stimmte nicht zu: davon 7 % eher nicht und 2 % definitiv nicht.

Female Leadership

Cornelia Lohninger-Mack: Weibliche Führungskompetenzen haben großen Anteil am Erfolg

„Studien belegen, dass Firmen mit einem höheren Frauenanteil im Management wirtschaftlich erfolgreicher sind. Aber es ist für Frauen nach wie vor schwierig, auf die Chefsessel zu gelangen, denn die Männer bleiben lieber unter sich. „Dabei ist ein Nachteil, dass Frauen weniger dazu tendieren, sich in den Vordergrund zu spielen und den Beruf seltener an die erste Stelle setzen“, berichtet Cornelia Lohninger-Mack. Tom Schuller, Professor für lebenslanges Lernen, hat das Paula-Prinzip aufgestellt: Frauen bleiben häufig in Positionen stecken, die unter ihrem Kompetenz-Level liegen, und das nicht nur kurz vor der obersten Chefetage, also der sogenannten gläsernen Decke.

Betroffen sind Frauen aller Berufsgruppen und Hierarchiestufen. Damit hat er ein Pendant zu dem Peter-Prinzip entwickelt – dieses wurde bereits in den 60er Jahren beschrieben und besagt, dass Männer solange in ihrer Kompetenz befördert werden, bis sie eine Stufe über ihrem Kompetenzlevel angekommen sind. Für diesen Job sind sie dann zwar unterqualifiziert, machen ihn aber dennoch weiter. Das führt zu unfähigen Führungskräften. Addiert man das Peter- und das Paula-Prinzip, erhält man überqualifizierte Frauen mit unterqualifizierten männlichen Chefs. Als Begründung nennt Schuller die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts.

„Ich bin als Führungskraft, Mutter und mit dem Aufbau der eigenen Firma neben den familiären Verpflichtungen einen untypischen Weg gegangen. Zu dieser Entscheidung hat mich die unflexible Haltung meines Vorgesetzten bei meiner Schwangerschaft gezwungen: Er sah keine Möglichkeit der Vereinbarkeit von Führungsposition und Mutterschaft. Als junge Beraterin ein eigenes Beratungsunternehmen zu gründen, hatte seine Stolpersteine und war zu Beginn sehr mühsam. In den letzten Jahren bemerke ich, dass es bei Coachings mehr und mehr um persönliche Weiterentwicklung, den Umgang mit Herausforderungen und Neuorientierungen wie etwa bei einem Generationenwechsel geht. Gerade dabei sind die typischen Kompetenzen des Female Leadership von großer Bedeutung und es macht mir täglich Freude, Menschen und Unternehmen auf ihrem Weg zu begleiten“, sagt Lohninger-Mack.

Workshop zur Stärkung weiblicher Führungsrollen

Im Rahmen der ersten Resilience Conference an der Hochschule

Hotelschool The Hague wurde eine Reihe von Workshops angeboten. Der Workshop Female Leadership fand im September 2019 mit engagierten jungen Frauen und Lektorinnen der Hochschule statt. In anregender Diskussion und Austausch gab es Beispiele aus eigenen Erfahrungen, die das Paula-Prinzip bestätigen, sagt Cornelia Lohninger-Mack. Die Impulse aus den Interviews von führenden und erfolgreichen Frauen bestärkten die jungen Studentinnen, ihren Weg zu gehen. Das bedeutet auch, sich auch im Klaren zu sein, welche Aufgaben sie erfüllen und in welcher Unternehmenskultur sie sich wohlfühlen. Diese maßgeblichen Indikatoren weisen den künftigen Karrierepfad.

Fazit:

Unternehmen tun gut daran, die Kompetenzen und Chancen, die ein weibliche Führungsstil mit sich bringt, zu nutzen. Organisationen benötigen einen guten Mix aus männlichen und weiblichen Führungsqualitäten, um erfolgreich zu wirtschaften. Das lässt sich durch heterogene Teams auf allen Unternehmensebenen, erreichen. Diese Ausgewogenheit hat auch großen Einfluss auf die Unternehmenskultur und trägt maßgeblich zur Mitarbeiterzufriedenheit bei. Female Leadership zu nutzen bringt große Vorteile, denn das schafft einen guten Nährboden für neue Entwicklung und Innovationen – und damit für mehr wirtschaftlichen Erfolg.